Humboldt-Universität zu Berlin - Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM)

Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik

 

 

Die Abteilung für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik beschäftigt sich mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Gesellschaften in Europa und dem Nahen Osten durch die Perspektive transnationaler Migration. Sie untersucht gesellschaftliche Transformationsprozesse, transnationale Verflechtungen sowie die Mobilität von Menschen, Ideen und politischen Beziehungen.

Die analytische Perspektive ist hierbei zukunftsorientiert. Wir untersuchen, wie sich gesellschaftlicher Wandeln im Laufe der Zeit entfaltet, und wie aufkommende Entwicklungen Institutionen, politische Zukunftsvisionen und Rahmenbedingungen verändern. Besonderes Augenmerk gilt den transnationalen Verflechtungen zwischen globalen Prozessen und lokalen gesellschaftlichen Dynamiken.

In diesem Zusammenhang stellt die Gesellschaftspolitik ein zentrales Forschungsfeld dar, das analysiert, wie Wohlfahrtsstaaten, Integrationspolitiken und regulatorische Rahmenbedingungen auf gesellschaftliche Transformationen reagieren und diese zugleich aktiv mitgestalten. Dabei wird untersucht, wie Gesellschaftspolitik Prozesse von Inklusion und Exklusion, Anerkennung und Marginalisierung beeinflusst und in Konflikte innerhalb pluraler und ungleicher Gesellschaften vermittelt.

Die Abteilung lehrt und betreut Studierende auf Bachelor-, Master- und Promotionsniveau. Darüber hinaus haben wir mit MERGE ein wachsendes Netzwerk von Wissenschaftler:innen und Expert:innen zum Nahen Osten aufgebaut, um den wissenschaftlichen Austausch über Regionen hinweg zu fördern. Nicht zuletzt setzten wir uns dafür ein, gesellschaftlich relevante Debatten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und wissenschaftliche Erkenntnisse durch Veranstaltungen und Publikationen auch einer breiteren Öffentlichkeit näher zu bringen.

 


(Post-)migrantische gesellschaftliche Transformation, Konflikte und Rassismen


 

Ein zentraler Schwerpunkt der Abteilung ist die Analyse postmigrantischer gesellschaftlicher Transformationen sowie von Konflikten, Aushandlungsprozessen und Machtverhältnissen, die in Migrationsgesellschaften entstehen. Migration dient dabei als analytischer Ausgangspunkt; die Perspektive beschränkt sich jedoch nicht allein auf Migration, sondern umfasst vielmehr weitere Dimensionen gesellschaftlicher Differenzierung und Transformation, darunter regionale Kontexte wie Ostdeutschland und andere historisch spezifische gesellschaftliche Systeme.

Ausgehend von der postmigrantischen Theorie untersucht die Abteilung gesellschaftliche Konstellationen, die über ein migrantenzentriertes Verständnis hinausgehen. Im Mittelpunkt stehen Prozesse der Bündnisbildung, Dynamiken von Anerkennung und Abwertung sowie die Rolle von Religion für gesellschaftliche Zugehörigkeit und Konflikte.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erforschung von Rassismus und Diskriminierung. Analysiert werden unterschiedliche Formen des Rassismus, ihre historische Entwicklung sowie ihre Verschränkungen mit anderen Ungleichheitsstrukturen. Die Untersuchung gesellschaftlicher Religionskonflikte, von Radikalisierungsprozessen sowie postmigrantischer Aushandlungen von Zugehörigkeit bildet einen integralen Bestandteil dieses Forschungsagenda.


 


Global Middle East und Middle Eastern Futurism


Die zweite analytische Säule der Abteilung widmet sich der Untersuchung des Nahen Osten als global verflochtener Region. Anstatt den Nahen Osten als fest umrissenen geografischen oder kulturell homogenen Raum zu verstehen, wird er als dynamischer sozialer und politischer Raum betrachtet, der durch transregionale Verbindungen, historische Brüche, politische Imaginationen und konkurrierenden Zugehörigkeiten geprägt ist.

 

Unsere Arbeit basiert auf einer grundlegenden Kritik europäischer und insbesondere deutscher Wissensproduktion über den Nahen Osten. Dabei untersuchen, wie wir koloniale Vermächtnisse, orientalistische Epistemologie und sicherheitspolitische Diskurse das vorherrschende akademische Wissen über die Region geprägt haben. Demgegenüber rücken wir die Subjektivität der Menschen der Region jenseits von Opferdiskursen in den Mittelpunkt, im Dialog mit den vielfältigen historischen Entwicklungen, die die Gegenwart des Nahen Ostens bestimmen. Essentialistische Ansätze, die die Region auf Kultur reduzieren, sowie ausnahmeorientierte Perspektiven, die seine Zukunft als vorbestimmt betrachten, weißen wir ausdrücklich zurück.

 

Zentral für diese Forschungsperspektive ist das Konzept des Middle Eastern Futurism. Es lenkt den Blick auf politische, soziale und kulturelle Zukunftsvorstellungen, die innerhalb der Region selbst und ihrer Diasporas entstehen. Damit verschiebt sich der Fokus von extern auferlegten Analysemodellen hin zu lokal entwickelten Visionen gesellschaftlicher Transformation, Widerstandspraktiken und alternativer Zukunftsentwürfe.

 

Ein besonderer Forschungsschwerpunkt liegt auf Revolutionen, revolutionären Momenten und Aufständen im Nahen Osten. Diese analysieren wir sowohl in ihren jeweiligen historischen Kontexten als auch in Bezug auf ihre grenzüberschreitenden Verflechtungen. Dazu gehören Analysen von Nationalismus, Staatsbildung, politischer Debatten und der Transformation kollektiver Identitäten.

 


Transnationale Resonanzen und die Mobilität von Ideen


 

Die dritte Forschungssäule untersucht transnationale Resonanzen und richtet den Blick insbesondere auf die grenzüberschreitende Zirkulation politischer Konzepte, Kämpfe und Mobilisierungspraktiken. Im Zentrum steht dabei die Diaspora des Nahen Ostens in Deutschland, insbesondere Menschen mit Bezügen zu Palästina, Libanon, Iran, Syrien, Afghanistan, der Türkei und den kurdischen Regionen.

Wir analysieren, wie diasporische Gemeinschaften in Deutschland und Europa politische Prozesse über nationale Kontexte hinaus mitgestalten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie politische Ideen, Protestrepertoires und emanzipatorische Zukunftsvorstellungen zwischen lokalen, nationalen und transnationalen Arenen zirkulieren. Konzepte wie politischer Ideentransfer und Exil bilden dabei wichtige analytische Bezugspunkte.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Globalisierung antikolonialer Befreiungskämpfe. Untersucht wird, wie historische und gegenwärtige Bewegungen über unterschiedliche Kontexte hinweg Resonanz erzeugen, wie Solidaritäten entstehen und wie politische Kämpfe in einer globalisierten politischen Landschaft neu artikuliert werden. Durch die Analyse dieser Verflechtungen wird deutlich, dass der Nahen Osten und seine Diasporas nicht periphere Empfänger globaler Entwicklungen sind, sondern aktive Produzent*innen politischen Wissens und transnationaler gesellschaftlicher Transformationen.


Weiterführende Links


Projekte und Veranstaltungen der Middle East Research Group finden Sie hier: https://www.projekte.hu-berlin.de/en/merge


Eine ausführliche Linksammlung zu den Untersuchungsgebieten Islam, Muslime, Islamfeindlichkeit in Deutschland gibt es hier:
http://junited.hu-berlin.de/links

Naika Foroutan über Heymat in Humboldt Spektrum (PDF):
https://www.hu-berlin.de/de/forschung/szf/forschungsmanagement/veroeffentlichungen/spektrum/foroutan111.pdf
 

Einen Überblick zu Veranstaltungen und Veröffentlichungen des Afghanistan Research Hub gibt es hier: https://www.projekte.hu-berlin.de/en/merge/afghanistan-hub



 

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