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15 Jahre DRG - Ausverkauf der Medizin?

15.01.2019 um 18:00

Die Einführung der DRG (Diagnosis Related Groups) im Jahr 2003 stellte einen Paradigmenwechsel im Vergütungssystem der stationären Medizin dar. Nachdem bereits seit den 80er Jahren Schritt für Schritt durch die Privatisierung von Krankenhäusern und die Aufhebung des Profitverbotes eine Ökonomisierung der Medizin einsetzte, führte nicht zuletzt die Einführung des DRG-Systems dazu, dass heute zunehmend von einer Kommerzialisierung, Industrialisierung oder Dehumanisierung der Medizin die Rede ist.

Alle im Krankenhaus tätigen Berufsgruppen erleben sich verschlechternde Arbeitsbedingungen. Die unter immer größerem zeitlichem und monetärem Druck ablaufende Krankenversorgung führt auch aus Sicht von Patient*innen zu Verschärfungen ihrer Versorgungssituation.

Seit einiger Zeit wird diese Ökonomisierung und Kommerzialisierung auch in den Fachgesellschaften bis hin zur Bundesärztekammer diskutiert. Auch bezogen auf die Situation in den Pflegeberufen ist das Problem durch Pflegestreiks sowie im Zuge des Bundestagswahlkampfes und der Koalitionsbildung mittlerweile zwar in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen. Es müssen nun jedoch aufwändige Programme gestartet werden, um das Ausscheiden von Pflegekräften zu verhindern, diese (zurück) zu gewinnen oder aus anderen Ländern abzuwerben. Personaluntergrenzen sollen eingeführt werden, um die Auswirkungen der Ökonomisierungspolitik abzudämpfen.

Unangetastet bleiben soll jedoch das für die Probleme im Kern ursächliche DRG-System. Vielmehr wird im Bereich von Psychosomatik und Psychiatrie mit dem PEPP-System bereits das nächste pauschalierende Entgeltsystem eingeführt.

Eine grundsätzliche und kritische Betrachtung des DRG-Systems und seiner Auswirkungen auf die Patient*innen, das Krankenhaussystem insgesamt und auf alle im stationären Bereich tätigen Berufsgruppen, ist überfällig.
Die Diskussionsveranstaltung richtet sich an alle an einer kritischen Auseinandersetzung mit der aktuellen Entwicklung der Gesundheitsversorgung Interessierte.

Eine Diskussionsveranstaltung des
AK Ökonomisierung im Gesundheitswesen (Initiative von Ärztinnen und Ärzten an der Charité in Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie CCM) mit
Dr. phil. Nadja Rakowitz (Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte)
"Krankenhaus statt Fabrik. Widersprüche und Konsequenzen der Ökonomisierung der Krankenhäuser"
Dr. med. Günther Jonitz (Präsident der Ärztekammer Berlin)
"Über die Grundfehler der Gesundheitspolitik und Value-based Health Care als Ausweg"

Diskussion und Möglichkeit zum informellen Austausch im Anschluss.

Charité Campus Mitte
Hörsaal der Inneren Medizin
Sauerbruchweg 2
10117 Berlin