Projekte

May I play? A field experiment about being granted the right to belong to a sport club

Sportvereine sind Freiwilligenvereinigungen, die auf dem Prinzip der offenen und freiwilligen Mitgliedschaft basieren. Nicht zuletzt aufgrund dieser Charakteristika werden sie in wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Diskussionen wiederholt als Integrationsmotoren ausgewiesen. Doch sind Sportvereine so offen und zugänglich wie häufig angenommen wird? Werden tatsächlich allen Bevölkerungsgruppen die gleichen Möglichkeiten eingeräumt, eine Sportvereinsmitgliedschaft einzugehen?

Dass keineswegs alle Bevölkerungsgruppen zu gleichen Anteilen in Sportvereinen organisiert sind und dass dort speziell Menschen – und vor allem Frauen und Mädchen – mit Migrationshintergrund unterrepräsentiert sind, ist empirisch sehr gut belegt. Zum Ersten wurden die Gründe hierfür jedoch deutlich seltener erforscht. Zum Zweiten konzentriert sich ein Großteil der Interpretationsansätze darauf, eine vermeintlich anders gelagerte Kultur von Menschen mit Migrationshintergrund als Erklärungsfaktor für dieses soziale Phänomen heranzuziehen. Problematisch hieran ist nicht nur, dass wir durch die Überbetonung dieser und die Nicht-Beachtung weiterer Erklärungsmuster Gefahr laufen, Prozessen des Othering Vorschub zu leisten. Es offenbart sich zugleich ein erhebliches Defizit in der theoretischen Elaboration und der empirischen Forschung über Mechanismen und Praxen der Ausgrenzung im und durch Sport.

Vor dem Hintergrund dieser Ausgangslage ist das Projekt „May I play? A field experiment about being granted the right to belong to a sport club” entstanden. Bezugnehmend auf das Belonging-Konzept wird in diesem Projekt theoretisch aufgezeigt, dass Zugehörigkeit keine ausschließlich individuelle Angelegenheit ist, sondern dass die Suche und das Bestreben nach Zugehörigkeit nur dann erfolgreich ist, wenn das Recht auf Zugehörigkeit auch gewährt wird. Empirisch umgesetzt wird das Projekt über ein Feldexperiment, mit dem erforscht wird, ob und welchen migrantischen und religiösen Gruppen das Recht auf Mitgliedschaft in einem Sportverein zugestanden bzw. verwehrt wird. Konkret bedeutet das: Es soll geprüft werden, ob E-Mail-Anfragen mit der Bitte um Teilnahme an einem Probetraining zu gleichen Anteilen (positiv) beantwortet werden, wenn der Name des Absenders/der Absenderin auf eine nicht-deutsche Herkunft, auf eine jüdische oder auf eine muslimische Religionszugehörigkeit schließen lässt.  

Das Projekt wird aus Eigenmitteln der beteiligten Personen finanziert. Es wird gleichberechtigt geleitet und durchgeführt von Prof. Dr. Helmut Dietl (Universität Zürich), Dr. Carlos Gómez-González (Universität Zürich), Dr. Cornel Nesseler (Norwegian University of Science and Technology) und Prof. Dr. Tina Nobis (Humboldt-Universität zu Berlin).

Laufzeit

07/2020 - 06/2021

Personen

Prof. Dr. Tina Nobis

Prof. Dr. Tina Nobis

Juniorprofessorin für „Sport, Integration und Migration“ in der Abteilung „Integration, Sport und Fußball“, HU Berlin

Tel: +49 (0)30 2093-46103
Tina.Nobis@hu-berlin.de