Projekte

Digitalisierung von Arbeit und Migration

Digitalisierung verändert die Arbeitswelt grundlegend. Ein wichtiger und häufig übersehener Aspekt dieser Transformation betrifft ihre Auswirkungen auf Mobilität und Migration. So verändern sich durch Digitalisierung Arbeitsverhältnisse und Mobilitätspraxen auf komplexe und wechselseitige Weise, einschließlich der Entstehung neuer Produktionsgebiete, welche durch digitale Technologien hervorgebracht werden, aber auch der Neuzusammensetzung (mobiler) Arbeit und neuer Formen von Rassismus.

Auf Grundlage zweier Beispiele von Plattform-Arbeit untersucht das Projekt die Veränderungen von Mobilitätspraxen, Arbeitsmigration und auch der Arbeit selbst unter digitalen Bedingungen. Die Fallstudie fokussiert global verteilte digitale Arbeit auf Crowdworking-Plattformen ebenso wie die digitale Arbeit auf der „Last Mile“ von Paket- und Essenslieferdiensten. In beiden Feldern verändert plattformgesteuerte Digitalisierung die Arbeit; nicht nur durch Flexibilisierung und zunehmende algorithmische Steuerung der Arbeitsprozesse, sondern auch im Hinblick auf die Mobilitätsanforderungen gegenüber der Arbeiter*innen. Entlang der globalen Verteilung digitaler Arbeit hin zu den Computern und Smartphones der Arbeiter*innen, die „virtuelle Migrant*innen“ (A. Aneesh) werden, ohne ihren Aufenthaltsort zu wechseln. Die ökonomische Relevanz von „Last Mile“-Lieferdiensten hat sich enorm vergrößert durch Online-Einzelhandel und Plattformen und benötigt dabei örtlich gebundene Formen digitaler Arbeit, die ebenso verbunden ist mit neuen Mobilitätspraxen. Hier findet sich eine hohe Zahl „realer Migrant*innen“, deren flexible Mobilitätspraxen mit den Anforderungen am Arbeitsmarkt korrespondieren.

Für  beide  Felder ist  eine bedarfsorientierte,  termingerechte  und  hochflexible  Allokation  von Arbeitskraft (sogenannte on-demand-Arbeit) kennzeichnend.  Im  Zusammenspiel von  virtueller und   realer   Migration zeigt   sich,   wie   Digitalisierungsprozesse   heterogene   Mobilitätspraxen produzieren und  rekonfigurieren,  die  sich  zunehmend  ausdifferenzieren,  flexibilisieren  und temporalisieren. Die  daraus  entstehenden epistemischen und gesellschaftlichen Fragen für den Begriff   der   Migration   und   für   die   Migrationsforschung werden in   Anknüpfung   an   die ethnographischen Untersuchungen theoretisch herausgearbeitet.

Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und am Centre for Digital Cultures an der Leuphana-Universität Lüneburg ansässig. Das Team besteht aus Manuela Bojadžijev (Forschungsleitung), Moritz Altenried (PostDoc), Mira Wallis (PhD) und Clara Wessalowski (SHK).

Laufzeit

05/2018 - 04/2021

Personen

Prof. Dr. Manuela Bojadzijev

Prof. Dr. Manuela Bojadzijev

Stellvertretende Direktorin, Vize-Leiterin der Abteilung "Integration, soziale Netzwerke und kulturelle Lebensstile"

Tel: +49 (0)30 2093-46255
manuela.bojadzijev@hu-berlin.de

Dr. Moritz Altenried

Dr. Moritz Altenried

Assoziiertes Mitglied des BIM

M.A. Mira Wallis

M.A. Mira Wallis

Assoziiertes Mitglied des BIM