Projekte

Zivilgesellschaftliche Organisationen und die Herausforderungen von Migration und Diversität: Agents of Change (ZOMiDi). Teilvorhaben Interessenvertretung für Beschäftigte

www.zomidi.de

Für ein Verbundprojekt „Zivilgesellschaftliche Organisationen und die Herausforderungen von Migration und Diversität: Agents of Change" hat das  Bundesministerium für Bildung und Forschung umfangreiche Mittel bewilligt. Das Projekt, am Institut geleitet von Dr. Serhat Karakakayali, wird  in Zusammenarbeit mit der Ludwigs-Maximilians-Universität München ( Professorin Hella von Unger) und dem Max-Planck-Institut   zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen( Professorin Karen Schönwälder) durchgeführt.

Das Verbundprojekt untersucht, wie und wodurch zivilgesellschaftliche Organisationen sich in Ausein­andersetzung mit Migration und gesellschaftlicher Vielfalt verändern. Zivilgesellschaftliche Organisationen spielen eine zentrale Rolle für gesellschaftliche Selbstorganisations- und Parti­zipationsprozesse; sie sind unverzichtbar für die gesellschaftliche Integration in entwickelten Demokratien. Allgemein wissen wir heute, dass Migrationsprozesse auch die aufnehmenden Gesell­schaften verändern. Gleichzeitig aber wissen wir um die Beharrungskraft von Institutionen und Organisationen und die damit oft in Verbindung gebrachten Prozesse von Exklusion und Diskriminierung. Das Projekt untersucht dieses Spannungsverhältnis mit einem Schwerpunkt auf Bedingungen und Akteure, die Veränderung in Richtung von mehr Offenheit, Vielfalt und Partizipation vorantreiben. Der Fokus liegt auf Organisationen, für deren Identität Differenz und Teilhabe konstitutiv sind, da sie bestimmte, potentiell benachteiligte Bevölkerungsgruppen vertreten.  

Das Teilprojekt am Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin beschäftigt sich mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, der zweitgrößten Einzelgewerkschaft Deutschlands. Untersucht wird, ob und auf welche Weise diese Organisation sich im Zuge von Migration und migrationsbedingter Diversität verändert. Wie geht eine Organisation, die sich vor allem über Fragen sozialer Differenz definiert mit anderen, kulturell kodierten Formen von Differenz um? Welche Rolle spielen dabei verschiedene Organisationsebenen, Mitgliedergruppen, regionale Einflüsse und etwa die betriebliche Mitbestimmung. Die Erkenntnisse über den Umgang mit migrationsbedingter Vielfalt soll die Organisationen dabei unterstützen, Wandlungsprozesse zukünftig besser zu begleiten und steuern.

Arbeitsplan

Das Vorhaben umfasst insgesamt 36 Monate (3 Jahre) und sieben Arbeitspakete. Um die Forschungsfragen zu verfolgen, wird ein multimethodisches Vorgehen mit qualitativen Fallstudien als zentraler Komponente gewählt. Die Praxispartner werden zunächst als organisationale Fälle konzipiert. Hier bilden jeweils die Bundesgeschäftsstellen den Ausgangspunkt der empirischen Untersuchung. Mit Dokumentenanalysen, Einzel- und Gruppeninterviews, teilnehmender Beobachtung und Mapping-Verfahren werden im ersten und zweiten Jahr Daten für eine Bestandsaufnahme der Organisationsstruktur (AP 1), für die Rekonstruktion des organisationalen Wandels (AP 2) und die Kartierung des organisationalen Feldes (AP 3) erhoben. Ergänzend zu den Analysen des Wandels auf der Bundesebene werden im zweiten und dritten Projektjahr lokale Fallstudien durchgeführt, um vertiefende Einblicke in ausgewählte Projekte, Ereignisse oder lokale Mitglieds-Organisationen zu gewinnen (AP 4).

Die Auswertung (AP 5) geschieht fortlaufend: Das empirische Material wird fallimmanent für jede Organisation im Kontext des jeweiligen Feldes analysiert. Diese Prozesse werden von einer fall-übergreifenden Auswertung begleitet, in der die beiden weiteren Teilprojekte und damit insgesamt vier zivilgesellschaftliche Organisationen berücksichtigt werden. Die Praxispartner/innen sind beratend an der Auswertung beteiligt. Sie werden regelmäßig über (Zwischen-)Ergebnisse informiert und über Workshops in die Deutungsprozesse einbezogen.

Neben Projekttreffen im Verbundprojekt sind über die gesamte Projektlaufzeit insgesamt vier organisationsinterne und ein organisationsübergreifender Workshops geplant. Im Rahmen der praxis- und wissenschaftsorientierten Verwertung der Ergebnisse (AP 6) findet zudem eine Abschlussveranstaltung statt. Geplant sind Präsentationen, Publikationen und weitere, mit den Organisationen zu entwickelnde Outputs. Das Projekt wird als Verbund koordiniert und von einem Beirat begleitet (AP 7).

 Ergebnisverwertung

Die Projektergebnisse werden zur Weiterentwicklung zivilgesellschaftlicher Organisationen beitragen. Die beteiligten Organisationen werden durch eine datengestützte Reflexion und Evaluation ihres Umgangs mit Migration und Diversität ihr Verständnis des organisationalen Geschehens erweitern. Sie erhalten Informationen über die eigene Mitarbeiter- und Mitgliederstruktur, über unterschiedliche Praxen lokaler und regionaler Gliederungen und die Verortung der eigenen Organisation im organisationalen Feld. Eine gezielte Förderung des Wandels hin zu größerer Offenheit gegenüber migrationsbezogenen Anliegen und einer größeren Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund wird so erleichtert. 

Der Praxistransfer erfolgt vor allem über eine Reihe von Workshops und eine Abschlussveranstaltung sowie die Erarbeitung von organisationsspezifischen Materialien. Diese umfassen je nach Interesse der Organisationen Flyer, eine Webseite, Videos, Presseerklärungen oder eine Veranstaltung, die über die jeweilige Organisation hinaus die Entwicklung von Strategien und Handlungsempfehlungen für den Umgang mit migrationsbezogener Diversität fördern können.

Die wissenschaftliche Verwertung der Ergebnisse erfolgt in Form von Publikationen in ausgewiesenen Fachzeitschriften und Sammelbänden sowie Konferenzbeiträgen. Die Ergebnisse tragen zur Grundlagenforschung bei, indem sie ein tieferes Verständnis von Innovationen in (zivilgesellschaftlichen) Organisationen und migrationsinduzierter Wandlungsprozesse der Gesellschaft ermöglichen. Insbesondere wird eine Kenntnislücke über zivilgesellschaftliche Organisationen als spezifischen, von Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen zu unterscheidendem Typ Organisation, gefüllt. Es wird ein Beitrag geleistet zur Forschung über Interkulturelle Öffnung und Intersektionalität. Die Ergebnisse des Teilprojekts tragen zum besseren Verständnis des Verhältnisses von Migration und gewerkschaftlicher Organisierung bei.

Laufzeit

04/2018 - 03/2021

Personen

Dr. Serhat Karakayali

Dr. Serhat Karakayali

Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung "Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik", Projektleiter ZOMiDi

Tel: +49 (0)30 2093-46262
Fax: +49 (0)30 2093-4519
serhat.karakayali@hu-berlin.de