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Migration und Mitbestimmung im Betrieb

Es existieren bereits wichtige, empirisch angelegte Studien zum Kontext von betrieblicher Partizipation und Migration. Allerdings besteht wesentlicher Forschungsbedarf in Bezug auf das Verhältnis zwischen Engagement im Betrieb, den Gründen für die Motivation in demokratischen Strukturen zu partizipieren und den betrieblichen Maßnahmen zu diesem Komplex. Dabei stellt sich die Frage, ob es ein „migrantisches" Engagement gibt und ob und wie sich dieses Engagement im Rahmen der Strukturen betrieblicher Demokratie etwa auf Diskriminierungspraktiken in der Arbeitswelt auswirken. Welche Karriereverläufe des Engagements können dabei rekonstruiert werden? Im Kern geht es also darum, Determinanten des betrieblichen Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund zu entschlüsseln.

Die Forschung zielt darauf ab, die gesellschaftspolitische Integrationsdebatte um den Gesichtspunkt der Integration in die Arbeitswelt zu erweitern. Diese wurde in der Vergangenheit oftmals als nur funktionale Systemintegration verstanden. Eine Untersuchung zu betrieblichem Engagement und Demokratie verspricht aber darüberhinaus, die Diskussion um gesellschaftliche Integration genuin zu bereichern, indem sie die Akzente weg von Fragen der Religionsausübung und Identität und hin zu Fragen der Gleichheit und Solidarität verschiebt. Die Arbeitswelt unter dem Gesichtspunkt partnerschaftlicher Aushandlungen um Integration und Teilhabe zu beleuchten und nicht nur unter dem Gesichtspunkt einer Konkurrenz um Arbeitsplätze erscheint umso bedeutender in Zeiten eines erstarkenden Rechtspopulismus.

Das Forschungsvorhaben soll der Frage nachgehen, welche strukturellen, organisationalen und betrieblichen, sowie außerbetrieblichen Faktoren es sind, die zu einem Engagement von Arbeitnehmer/-innen mit Migrationshintergrund in der betrieblichen Mitbestimmung führen und ob dieses  Engagement sich in der Praxis von dem der Arbeitnehmer/-innen ohne Migrationshintergrund in Bezug auf Thematiken wie Diversität und Diskriminierung unterscheidet.

Untersucht werden Engagementverläufe von Betriebsräten mit Migrationshintergrund. Ausgangsthese ist, dass die Strukturen der betrieblichen Demokratie sich positiv auf Prozesse der politischen und sozialen Integration auswirken. Die hohe Beteiligung von Personen mit Migrationshintergrund in gewerkschaftliche Aktivitäten etwa kann aber auch exogen, durch herkunftsbezogene Sozialisationen, induziert sein oder aber von lokalen Gegebenheiten abhängen, etwa der Organisationskultur im Betrieb oder den Gewerschaften. Die Studie geht vergleichend vor (Branchenintern, nach Geschlechterkomposition, regional) und erhebt narratives Interviewmaterial (Biografische Interviews), die ergänzt werden um strukturierte Gruppendiskussionen.

(finanziert aus Mitteln der Hans-Böckler-Stiftung)

Laufzeit

02/2018 - 02/2020

Personen

Dr. Serhat Karakayali

Dr. Serhat Karakayali

Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung "Wissenschaftliche Grundfragen"; Post-Doc am Lehrbereich Diversity and Social Conflict, HU Berlin

Tel: +49 (0)30 2093-46262
Fax: +49 (0)30 2093-4519
serhat.karakayali@hu-berlin.de