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Flucht und Antisemitismus: Qualitative Befragung von Expert_innen und Geflüchteten. Erste Hinweise zu Erscheinungsformen von Antisemitismus bei Geflüchteten und mögliche Umgangsstrategien

Auf Anfrage des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus des Bundesministerium des Innern führt das Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung eine erste Übersichtsstudie zu Einstellungsmustern unter Geflüchteten in Bezug auf Antisemitismus durch.

Öffentliche Debatten um Antisemitismus gingen in den letzten Jahren häufig mit einem besonderen Fokus auf die Gruppe der Muslime einher. Durch die große Anzahl von Geflüchteten, die aus muslimisch geprägten Ländern 2015 nach Deutschland kamen, erhielten diese Debatten eine neue Relevanz. So wurde immer wieder von einem „importierten” – wahlweise „arabischen”, „islamischen” oder „islamistischen” – Antisemitismus gesprochen. Diese Betonung birgt zum einen die Gefahr, Antisemitismus zu externalisieren und das beständig hohe Niveau antisemitischer Einstellungen der deutschen Mehrheitsgesellschaft zu verharmlosen. Zum anderen ist dieser Fokus häufig mit rassistischen Pauschalisierungen verbunden, in denen „die Muslime” als homogene Gruppe konstruiert werden, die eine Gefahr für die gesellschaftliche Ordnung – die Demokratie im allgemeinen und die Juden und Jüdinnen in Deutschland im speziellen – darstellen. Gleichzeitig ist es in einer postmigrantischen Gesellschaft notwendig, unterschiedliche Motivationslagen und Einflussfaktoren für antisemitische Haltungen zu differenzieren und gegebenenfalls auch religiös oder politisch motivierte Spezifika herauszuarbeiten. Fundierte empirische Studien zu antisemitischen Einstellungen bei Geflüchteten und zu Inhalten, Motivationen und gegebenenfalls Spezifika und deren Ursachen gibt es jedoch bisher nicht.

Im Zeitraum von Juli bis Dezember 2016 werden ca. 15 Interviews mit geflüchteten Personen aus Syrien, Irak und Afghanistan zu Einstellungsmustern in Bezug auf Politik, Vielfalt und gesellschaftliche Minderheiten mit besonderen Fokus auf  Antisemitismus durchgeführt und ausgewertet. Darüber hinaus werden ca. 15 Interviews mit Wissenschaftler_innen, Pädagog_innen, Multiplikator_innen, Mitgliedern jüdischen Gemeinden und Vertreter_innen migrantischer Communities durchgeführt, um Einschätzungen zu Verbreitung, Ausdrucksformen und Ursprüngen sowie Empfehlungen für Umgangsstrategien zu erfragen.

Laufzeit

05/2016 - 12/2016

Personen

Dr. Sina Arnold

Dr. Sina Arnold

Wissenschaftliche Geschäftsführerin / Mitarbeiterin (Post-Doc) der Abteilung "Integration, soziale Netzwerke und kulturelle Lebensstile"

Tel: (+49) 30 2093 - 46262 / - 70854
sina.arnold@hu-berlin.de

Jana König

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Daniel Bodora

Daniel Bodora

Ehemalige studentische Hilfskraft im BIM-Projekt "Flucht und Antisemitismus"