Veranstaltungen

Akademische Debatte mit Doris Liebscher

02.11.2016 um 18:00

Institutioneller Rassismus und Recht: Das Beispiel NSU-Komplex

Vor 5 Jahren, im November 2011, wurde das Nazitterrornetzwerk des NSU öffentlich bekannt. Seither beschäftigt der NSU-Komplex auch das Recht. Die zentralen Erwartungen der Betroffenen an den Strafprozess in München lauten Aufklärung und Rehabilitierung. Dazu gehört auch die Anerkennung einer doppelten auf Rassismus gründenden Menschenrechtsverletzung: Erstens durch die rassistisch motivierten Morde und Anschläge und zweitens durch die sekundäre Viktimisierung im Rahmen der Ermittlungen. Während erstere auch vom hegemonialen deutschen Rechtsdiskurs als rassistische Taten eingeordnet werden, ist der institutionelle Rassismus der Sicherheitsbehörden rechtlich weitaus schwerer zu fassen. Eine Definition von institutionellem Rassismus gibt es im deutschen Recht schlicht nicht.

Vor diesem Hintergrund stellt der Vortrag verschiedene Konzeptionen von institutionellem Rassismus vor, fragt nach deren Anwendbarkeit auf den NSU-Komplex und diskutiert, ob und wie diese Konzeptionen für eine rechtliche Bearbeitung rassistischer Gewalt und Diskriminierung nutzbar gemacht werden können. Darüber hinaus wird am Beispiel des NSU-Prozesses untersucht, inwieweit sich institutioneller Rassismus auch im rechtlichen Verfahren selbst findet und sich nachteilig auf die Nebenkläger*innen in München auswirkt, denn auch der Rechtsdiskurs und dessen Institutionen sind nicht frei von tradierten rassistischen Wissensbeständen und Handlungsmustern.

Es referiert Doris Liebscher, Juristin mit den Schwerpunkten Antidiskriminierungsrecht und Rassismus und Recht. Sie arbeitet am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin.
Die Veranstaltung wird moderiert von Dr. Sina Arnold (BIM).
 

Akademische Debatte mit Doris Liebscher

Institut für Sozialwissenschaften
Raum 002
Universitätsstr. 3b
10117 Berlin

BIM-Akademische Debatte

Die Veranstaltungsreihe „Akademische Debatte“ wird durch die verschiedenen Abteilungen des „Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung“ (BIM) durchgeführt. Die Abteilungen laden WissenschaftlerInnen aus dem jeweiligen Forschungsfeld bzw. dem jeweiligen disziplinären Umfeld ein, um gemeinsam mit den BIM-Mitgliedern ihre Forschungsarbeiten unter einer transdisziplinären Perspektive zu diskutieren.

Weitere Veranstaltungen der Reihe