Projekte

Migration und Logistik

1€-Job

100.000 solcher "Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung" sollen im Rahmen des neuen Integrationsgesetzes geschaffen werden, um Geflüchtete in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Bei Ablehnung der Maßnahmen drohen Leistungskürzungen und Sanktionen.

Die Teilprojekte werden im Rahmen des BIM-Forschungs-Interventions-Clusters "Solidarität im Wandel?" durchgeführt, das durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration gefördert wird.

Teilprojekt a. Politiken und Vermittlung mobiler Arbeit

In den letzten Jahren wurde Logistik auch in den Sozialwissenschaften zu einem zentralen Forschungsfeld, um neue Formen der Mobilität von Gütern und Menschen und Beschleunigung infrastruktureller Verbindungen zu untersuchen. Ziel der Forschung ist, durch Logistik hervorgebrachte Veränderungen unter der Perspektive der Migration zu betrachten. Lässt sich eine logistische Rationalität, d.h. eine Rationalität der Koordinierung und Synchronisierung heterogener Formen der Mobilität, auch auf dem Gebiet der Migration als dominante Steuerungs- und Bewegungsform nachzeichnen? Das Projekt bringt bestehende Arbeiten zusammen  und schafft einen theoretischen Rahmen für die Erforschung des Themenkomplexes „Logistik und Migration“.

Parallel dazu wird eine empirische Studie zur Vermittlung und Organisation von migrantischer Arbeit unter besonderer Berücksichtigung der Arbeitsvermittlung von Frauen in Arbeitsagenturen erstellt. Auch die Arbeitsaufnahme von Migrantinnen stellt sich zunehmend als logistisches Problem dar: Aus Perspektive von Regierungs-/Verwaltungsbehörden, der Arbeitgeber aber in anderer Weise auch der MigrantInnen selbst. Die Studie beleuchtet die Situation seit August 2015 (Beginn der Debatte über die beschleunigte Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt) und analysiert die unterschiedlichen Positionen und Interessen der verschiedenen Akteure (Ministerien, Bundesagentur für Arbeit, Arbeitgeber, Gewerkschaften, NGO’s).

Die Studie bezieht sich damit auf die grundlegende Hypothese des Gesamtprojekts: Migration stellt sich heute mehr denn je als logistisches Problem dar. Im Zusammenspiel der multiplen Akteure lässt sich nachzeichnen, wie in der heterogenen Regierung und den Praxen der Migration heute eine logistische Rationalität dominiert. Die Erforschung dieser Rationalität kann einen wichtigen Beitrag zum Verständnis gegenwärtiger Transformationen des Migrationsregimes leisten.

 

Teilprojekt b. Digitalisierung und selbstorganisierte migrantische Logistik

Neue digitale Technologien spielen eine zentrale Rolle für logistische Entwicklungen, erleichtern sie doch Prozesse der Organisation und Effizienzsteigerung. Dies gilt auch für das Feld der Migration, und zwar nicht nur für durch Unternehmen und Staaten initiierte Prozesse des Regierens, Kontrollierens und Steuerns von Migrationsströmen, sondern auch für die (Selbst-)Organisierung der Prozesse von Flucht und Ankommen durch Geflüchtete selbst. Insbesondere dem Smartphone kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Während in aktuellen medialen Debatten der Besitz von Smartphones häufig Anlass für das Schüren von Ressentiments gegen Flüchtlinge war, sind explizite und implizite Aneignungsprozesse von mobilen Medien während der Flucht in Erfahrungsberichten und den wenigen bestehenden wissenschaftlichen Arbeiten erwiesen: Das Smartphone fungiert als mobiler Fluchthelfer mit höchst differenzierten und individuellen Nutzungsmustern. Seine Funktionen im Bereich der Navigation, Übersetzung, Kommunikation mit Heimat- und Ankunftsland, Informationsbeschaffung etc. sind mittlerweile unverzichtbar für transnationale Prozesse der Migration. In diesem Teilprojekt soll die Rolle von mobilen und sozialen Medien als Selbstermächtigungsinstrument für Geflüchtete untersucht werden. In einem ersten Schritt werden ca. 15 qualitative Interviews zur Mediennutzung mit Geflüchteten durchgeführt, um die spezifischen  Nutzungsmuster im Fluchtprozess herauszuarbeiten. Hierbei werden auch die bisherigen Mediennutzungsgewohnheiten aus den Ursprungsländern berücksichtigt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Nutzung nach der Ankunft in Deutschland. In einem zweiten Schritt wird darauf aufbauend ein quantitativer Fragebogen erstellt, der an ca. 3- 500 Befragten in Notunterkünften und Erstaufnahmerichtungen verteilt wird.  

Laufzeit

05/2016 - 12/2016

Personen

Dr. Sina Arnold

Dr. Sina Arnold

Wissenschaftliche Geschäftsführerin / Mitarbeiterin (Post-Doc) der Abteilung "Integration, soziale Netzwerke und kulturelle Lebensstile"

Tel: (+49) 30 2093 - 46262 / - 70854
sina.arnold@hu-berlin.de

Prof. Dr. Manuela Bojadzijev

Prof. Dr. Manuela Bojadzijev

Beauftragte des BIM-Vorstands für internationale Kooperationen; Mitglied der Abteilung "Integration, soziale Netzwerke und kulturelle Lebensstile"

Tel: +49 (0)30 2093-46262
manuela.bojadzijev@hu-berlin.de

Mira Wallis

Mira Wallis

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Leif Jannis Höfler

Studentische Hilfskraft in der Abteilung "Wissenschaftliche Grundfragen"

Moritz Altenried

Moritz Altenried

Assoziierter im BIM-Fluchtcluster "Solidarität im Wandel?"

Mag. Stephan Oliver Görland

Mag. Stephan Oliver Görland

Assoziierter im BIM-Fluchtcluster "Solidarität im Wandel?"

Tel: +49 (0)30 2093-70854
stephan.goerland@hu-berlin.de

Prof. Dr. Sandro Mezzadra

Prof. Dr. Sandro Mezzadra

KOSMOS Fellow der Abteilung "Integration, soziale Netzwerke und kulturelle Lebensstile"

Tel: (+49) 30 2093 - 46262 / - 70854
sandro.mezzadra@unibo.it